Bis ans Lebensende: Wie realistisch ist der Traum von ewiger Liebe?
- Unknown Diarie

- 21. Sept. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Liebes Tagebuch,
ich sitze gerade im Zug auf dem Weg nach Z, während mich ein Gedanke, eine Situation, eine Erinnerung, eine Neuigkeit nicht los lässt.
Vor knapp 1,5 Wochen erhielt ich einen Anruf von einer meiner Freundinnen mit den Worten: „Hast du kurz Zeit, es ist wichtig.“
Ich hatte an dem Tag Home-Office und leider noch einen Online-Termin, weswegen ich nur einen Rückruf anbieten konnte.
Sofort schossen mir tausend Gedanken durch den Kopf, worum es gehen könnte. Wenn diese Freundin anruft, mit diesen Worten muss es was ernstes sein.
Zuerst dachte ich, dass ich vielleicht was verbockt hätte. Das konnte ich jedoch relativ schnell ausschließen.
Danach dachte ich, dass sie mit den anderen girls vielleicht beef hat.
Ich hatte vor einigen Wochen / Monaten schon einmal einen Blogpost zum Thema Freundschaft verfasst, wo ich von einer Girlsclique und deren Herausforderung erzählt habe.
Natürlich spekulierte ich noch eine Runde weiter, nur im Endeffekt musste ich abwarten, da es alles sein könnte.
Und ich hasse abwarten. 😅
Ich versuchte meinen Termin möglichst kurz zu halten und merkte auch, dass ich nicht zu 100% bei der Sache war.
Als der Termin endlich vorbei war, griff ich direkt zum Handy.
Als meine Freundin sich meldete, fragte ich direkt, was los ist. Meine Freundin antwortete, dass eine von den anderen girls auch da war und sie den Lautsprecher an hat. Sofort dachte ich doch wieder, dass es beef untereinander gab. Ich begrüßte auch meine andere Freundin und hörte im Hintergrund ein schluchzendes „Hallo Unknown“ zurück. Ich fragte wieder sofort was passiert ist und dann kam eine Antwort mit der ich so gar nicht gerechnet habe.
„Das Disneymärchen ist zu Ende.“
Wie erstarrt stand ich am Telefon und brauchte ein paar Sekunden bis ich meine Stimme wieder gefunden habe.
Auch wenn die Frage vielleicht bescheuert war, aber ich fragte, ob wir dasselbe unter diesem Satz verstehen, einfach weil ich es nicht glauben konnte.
Klar bot ich natürlich auch sofort an vorbei zu kommen und saß keine weiteren 10 Minuten später im Auto.
Das Leute manchmal getrennte Wege gehen, passiert halt. Auch meine Beziehungen waren bisher nicht für die Ewigkeit bestimmt, weswegen es nicht die Tatsache an sich war, dass sich 2 Menschen im Freundeskreis getrennt haben.
Vielmehr war es die Tatsache, dass ich es gerade bei den beiden NIEMALS erwartet hätte. Das war immer mein Bilderbuchpaar. Mein Disney-Vorzeigepaar und für mich auch immer der Beweis, dass Liebe auch nach Jahren noch existiert. Die beiden waren fast 15 Jahre zusammen und ich selbst durfte bei deren Traumhochzeit dabei sein und ihre Liebe feiern.
Die beiden wirkten immer happy zusammen, passten auf sich und ihre Liebe auf und zelebrierten auch immer Valentinstag, Jahrestag, Hochzeitstag usw.
Und wenn sie an dem Tag, wo das Ereignis statt fand keine Zeit hatten, verlegten sie es vor oder feierten es nach. Beide gaben sich immer unglaublich viel Mühe bei ihren Geschenken dem anderem gegenüber und genau diese Fürsorge der beiden füreinander strahlte auch in unsere Gruppe. Man könnte fast sagen, dass diese beiden unsere Gruppe zusammenhielten. Sie waren organisiert, kreativ, fürsorglich, immer präsent und verlässlich. Und sie waren immer daran interessiert, gemeinsam mit uns das Leben zu verbringen und Erinnerungen zu schaffen.
Ja bei den beiden, sah ich immer, dass sie sich liebten, auch nach all den Jahren und das fand ich immer besonders schön. Mag sein, dass der eine oder andere bestimmte Dinge als übertrieben ansah. Das muss auch jeder für sich wissen. Und dennoch gaben die beiden mir Hoffnung.

Mit einem Schlag war natürlich auch meine Hoffnung erschüttert und es drängte sich mir die Frage auf, ob es in der heutigen Zeit noch ewiges Liebesglück gibt. Oder hat einfach alles ein Ablaufdatum? Mir ist bewusst, dass Liebe Arbeit bedeutet und sich Liebe verändert. Ich meine sogar zu behaupten, dass es irgendwann täglich eine Entscheidung ist beim Partner zu bleiben, einfach weil man weiß, was man aneinander hat. Sich mehr auf das Positive beim Partner zu konzentrieren, als auf die Schwächen.
Aber wissen tue ich es nicht, da ich noch nie mehr als 4 Jahre mit jemandem zusammen war. Der Schock saß immer noch tief. Das hatte ich nicht kommen sehen, gerade weil die beiden noch nicht mal 48h aus dem Urlaub zurück waren.
Ich muss dir natürlich nicht erklären, wie sehr meine Freundin an dem Nachmittag geweint / geschluchzt hat und wie verzweifelt sie wirkte oder?
Ihr Mann war gefühlt ihr ganzes Leben und es riss ihr einfach den Boden unter den Füßen weg, als ihr Mann ihr offenbarte, dass er keine Gefühle mehr für sie hat.
Als ich sie so schluchzend auf der Couch zusammengekauert bei meiner Freundin sah und mich anlehnte, reiste ich selbst kurz in die Vergangenheit zurück. Ich erinnerte mich daran, wie Man(n) auch mir in meinen höchsten Glücksgefühlen den Boden weg riss, in dem man mir sagte, dass es keine Zukunft gibt. Das war damals auch richtig hart für mich. Liebeskummer allgemein ist für mich das Schlimmste was es gibt und ich habe da immer besonders lang dran zu knabbern.
Auch wenn ich nicht wusste, wie es innerlich in meiner Freundin aussah, hatte ich das Gefühl zu wissen, wie sie fühlt. Ich hatte das Gefühl zu hören, wie ihr Herz in 1000 Teile springt und ich kriegte selbst Tränen in die Augen. In so einem Moment fühle ich mich selbst immer total hilflos. Ich möchte was tun und weiß gleichzeitig, dass ich nichts tun kann, außer da zu sein.
Als ich irgendwann auf dem Rückweg war, wollte ich kurz meine eigene Welt anhalten. Meine Freundin so zu sehen, verletzte mich nicht nur, sondern zeigte mir auf, wie gut es mir selbst gerade ging. Ich war glücklich, so richtig glücklich und fühlte mich angekommen. Es gab mal kein Drama in meinem Leben und just in dem Moment beschlich mich die Angst, dass auch mein Glück nicht für die Ewigkeit sein könnte.
Selbst heute, wo schon ein paar Tage ins Land gestrichen sind, überkommt mich immer noch ein dumpfes Gefühl in meiner Magengrube, wenn ich an meine Freundin denke. Ich dachte an meine Eltern, überlegte ob sie glücklich sind / wirken und fragte mich, was sie bewegt, das Leben nun schon so lange miteinander zu teilen.
Manchmal glaube ich, dass ich früher zu viele Disneymärchen gesehen habe, weil es in meiner Vorstellung romantisch ist mit jemanden bis zum Rest des Lebens zu teilen. Nur wirkte es bei den wenigsten so. Bei vielen stellte ich mir die Frage, ob es einfach die Gewohnheit ist. Und ja auch wenn ich die Vorstellung romantisch finde, bis zum Lebensende mit ein und derselben Person zusammen zu sein, so gruselte mir manchmal auch die Vorstellung.
Nicht mehr dieses Kribbeln im Bauch, jemanden in und auswendig kennen, seine eigene Entwicklung vielleicht irgendwie auch ein Stück weit zurück halten, Alltag und Probleme, den/die man gemeinsam bewältigen muss, Einflüsse von außen…
Sind die Menschen wirklich dafür gemacht mit jemanden für immer sein Leben zu teilen? Oder ist das so ein Gesellschaftsding, ähnlich wie Heiraten, ein Haus bauen, Kinder kriegen?
Gefühlt ist es für mich auch was „schlimmes“ nur noch aus Gewohnheit zusammen zu sein.
Irgendwie stellt das gerade meine Welt und meine Vorstellung auf den Kopf und das obwohl ich mir über sowas gerade gar keine Gedanken machen muss, weil einfach alles gut ist.
Halte ich an einer Vorstellung fest, die völlig unrealistisch erscheint?
Ich werde wohl so schnell für mich selbst keine Antwort auf diese Frage bekommen, sondern erst, wenn ich am Ende meiner Lebensreise angekommen bin. Aber vielleicht gibt‘s jemanden da draußen, der seine Erfahrungswerte teilen oder mir sogar wieder Mut machen und Hoffnung geben kann.
Ich möchte sie jedenfalls noch nicht aufgeben, weil ich manchmal Videos sehe, mit alten Menschen, die sehr lange zusammen sind und dennoch glücklich wirken und stolz auf ihren Partner sind.



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