Ein März, der etwas ins Rollen bringt
- Unknown Diarie

- vor 5 Stunden
- 7 Min. Lesezeit
Liebes Tagebuch,
irgendwie rast die Zeit, zumindest ist das mein Gefühl. Es ist schon wieder 4 Wochen her, dass ich das letzte Mal einen Eintrag verfasst habe. Und derweil war ich doch gestern erst hier, würde ich meinen.
Ich bin sehr froh, dass wir bereits im März angekommen sind und mit großen Schritten Richtung Frühling spazieren. Das Wetter ist mittlerweile besser und beständiger und ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr sich das positiv auf mein Gemüt auswirkt. Vermutlich auf unser aller Gemüt.
Ich hatte in der ersten Märzwoche (Rest)Urlaub. Diese Urlaubswoche verlief anders, als ich sie mir vorgestellt habe, versehen mit den unterschiedlichsten Emotionen, aber aktuell mit dem Ergebnis: Ein Monat, der etwas ins Rollen bringt.

Ich fange mal damit an, dass ich noch nie so viel Geld in einer Woche ausgegeben habe, wenn wir mal Anschaffungen wie beispielweise ein gebrauchtes Auto oder ähnliches außen vorlassen. Natürlich habe ich für das Eine oder Andere auch darauf hin gespart, dennoch war es ein krasses Gefühl, wie schnell auf einmal das Geld einfach weg gewesen ist.
Ich habe Flüge für New York gebucht. Ich wollte schon immer mal über die Weihnachtszeit nach New York fliegen und dieses Jahr ist es endlich soweit. Ich kann immer noch nicht glauben, dass es dieses Jahr wahr wird. Meine Vorfreude ist groß, auch wenn ich mich noch etwas gedulden muss.
Da in meiner Stadt ein neues Höffner eröffnet hat, gab’s starke Prozente, was mich dazu veranlasst hat, hinzufahren und einfach mal zu schmökern. Beim Schmökern blieb’s natürlich nicht. Ich habe ein neues Bett bestellt und bin mit einem neuen Teppich und neuen Glasschälchen nach Hause gefahren.
Und last but not least habe ich mir ein neues Fahrrad gegönnt und glaube mir, dass hätte ich schon eher tun sollen. Eigentlich hatte ich mein ‚Traumfahrrad‘ bereits. Ein damaliger Arbeitskollege hat mir 2017 eins seiner Fahrräder zu einem Freundschaftspreis verkauft. Und wenn man es mir Anfang 2024 nicht geklaut hätte, würde ich vermutlich heute noch damit fahren, weil ich dieses Fahrrad einfach geliebt habe. Man könnte meinen, dass ich dadurch meine Liebe zum Rad fahren entdeckt habe. Um keinen Preis der Welt hätte ich dieses Fahrrad hergegeben, auch wenn mich andere manchmal dafür belächelt haben. Da das Fahrrad mit mir schon viel mitgemacht hatte, sah es in den letzten Jahren natürlich nicht mehr taufrisch aus. Dieses Fahrrad hat mich überall hingebracht, wo ich hinwollte und auch alle Stürze mit mir überlebt. Außer mal einen platten Reifen, den ich ein Glück selbst wechseln konnte, hatte dieses Fahrrad nie was. Davor hatte ich immer nur alte Fahrräder, die ich günstig über eBay geschossen habe. Dementsprechend fuhren sie sich auch so, weswegen sich natürlich auch meine Lust fürs Rad fahren in Grenzen hielt. Als mein heiß geliebtes Fahrrad geklaut wurde, musste ich auf ein anderes zurückgreifen, dass noch in meinem Keller verweilte. Ein Fahrrad, welches gut war, eine Kiste Bier oder ähnliches zu transportieren, aber sonst aus meiner Sicht nicht glänzen konnte. Es war für mich und meine Größe eigentlich auch viel zu groß. Es war kanonenschwer. Und schon alleine das Fahrrad aus dem Keller nach oben zu wuchten, war eine Tortour. So schwer wie es beim Tragen war, so schwer fuhr es sich auch, egal welchen Gang man einstellte. Während ich mich vorher frei wie ein Vogel fühlte und immer mit einer gewissen Geschwindigkeit umher peste, fühlte ich mit diesem Fahrrad langsam wie eine Schnecke. Wenn ich an meinem Ziel angekommen war, war ich so geschwitzt, dass ich hätte duschen gehen können. 2024 hab ich’s noch mit dem Oschi durchgezogen. In 2025 ist meine Motivationskurve stetig weiter gesunken, so dass ich wusste, wenn ich weiter Rad fahren möchte, ich nicht drum herumkomme, mir ein neues Fahrrad zu leisten.
Schon bei meiner ersten Tour vom Fahrradladen nach Hause kamen meine vermissten ‚Freiheitsgefühle‘ und das Pesen zurück. Ich bin im Urlaub auch echt viel Fahrrad gefahren. Für jede noch so kleine Strecke habe ich mein Fahrrad geschnappt und bin los. Sollte ich, aus welchen Gründen auch immer, mal wieder ein neues Fahrrad brauchen, werde ich es mir dieses Mal sofort leisten und wenn ich das Geld aus meinen Rippen schneiden muss, bevor ich irgendwann noch gänzlich meine Lust am Rad fahren verliere.
Zum Rad fahren habe ich mich im Urlaub auch wieder dem laufen angenähert. Ich hatte es irgendwann im Januar oder Februar schon mal probiert. Da jedoch danach noch mal Schnee, Glätte, Eis und Mistwetter kam, war mein 1. Fortschritt direkt wieder hin und somit auch meine Motivation. Da ich in meinem Urlaub Zeit hatte und das Wetter fantastisch war, gab es keinen besseren Zeitpunkt es erneut zu manifestieren und schlussendlich zu versuchen. Seitdem versuche ich am Ball zu bleiben und es wieder vermehrt in meinen Alltag zu integrieren, wenngleich es nicht so leicht ist, wie ich es mir vorgestellt habe.
Bis hierhin kann man sagen, war es ein sehr erfolgreicher Urlaub. Trotz all meiner Errungenschaften, der mehr werdenden Aktivität, der Sonne und meinem positiv steigenden Gemütszustand fühlte ich mich dennoch streckenweise geschafft, antriebslos, leer… Ich fühlte mich irgendwie schwer. Ich freute mich über’ s Ausschlafen, kam dann ewig nicht aus dem Bett und bin vom Bett auf die Couch gewandert, um dort auch noch mal richtig schön zu versacken. Ich kam unglaublich schwer in die Gänge und war darüber enttäuscht und frustriert. Fast jeden Tag habe ich mir vorgenommen direkt morgens zum See zu fahren mit meinen Inlinern, um ganz in Ruhe ohne eine Menschenseele fahren zu können. Und an keinem einzigen Tag, habe ich es wirklich gemacht. Während ich sonst gefühlt nicht stillsitzen und einen freien Tag mit nichts tun genießen kann, hatte ich in dieser Woche an keinem Tag wirklich viel Elan. Stattdessen war ich froh, wenn ich den Nachmittag noch halbwegs genutzt hatte, nachdem ich den Vormittag immer dahin streichen ließ. Und solch Verhalten sieht mir nicht ähnlich. Anfangs hatte ich noch Sorge das ich krank werde und mich deswegen so platt fühlte. Es heißt nicht umsonst, wenn der Körper zur Ruhe kommt, wird man krank. Da ich nicht krank war, musste es eine andere Ursache geben. Nur welche?
Am Samstag hatte ich dann meinen Höhepunkt erreicht. Ich wollte irgendwie alles, aber hatte auf nichts Lust. Ich habe keine Ahnung, wie ich es beschreiben soll. Ich war im Struggle mit mir selbst, so als hätte ich gerade eine Krise. Als ich meinem Gegenüber versuchte meine Gefühle zu schildern, habe ich sogar kurz geweint, weil ich mit mir selbst überfordert war und mein Verhalten nicht einsortieren konnte. Mein Gegenüber versuchte mir Trost zu spenden, in dem er mir eine Art To Do Liste gab, was ich alles machen könnte, bis ich irgendwann ein bisschen zurück giftete, dass ich keine To Do Liste brauche, sondern eine Lösung für mein „Problem“ bzw. für meine komischen Emotionen.
Dann kam folgendes zurück: ‚Ich glaube, du hast gerade zu viele Themen, die dich unbewusst täglich beschäftigen, was dir Energie raubt‘!
Ich beruhigte mich und ließ den Satz wirken, in dem ich mich in meinem Stuhl in die Sonne setzte und die Augen schloss, um die Sonnenstrahlen, die Wärme auf meinem Gesicht aufzusaugen.
Ok, es gibt wirklich gerade 2-3 Punkte / Menschen, die mir Energie ‚rauben‘, weil es ihnen nicht gut geht und ich natürlich versuche zu supporten. Nur da kann der Hase ja nicht im Pfeffer liegen, dachte ich.
Um meinen Fokus erst mal wegzulenken, schaute ich Kataloge durch, da die Terrasse der Wohnung erneuert werden sollte und ich Platten dafür aussuchen sollte. Da hatte ich tatsächlich Spaß dran und wurde dementsprechend auch schnell fündig.
Danach beschäftigte ich mich noch mit einem weiteren Thema, welches ich hier leider noch nicht benennen kann, weil es mit Sicherheit einen eigenen Blogpost bekommen wird und ich noch nicht spoilern möchte. Ich kam vom hundertsten ins tausendste, kreierte viele Ideen, machte viele Screenshots oder sendete mir Links, damit nichts davon verloren ging. Und während ich mich damit beschäftigte, merkte ich, dass ich diesbezüglich Entscheidungen treffen musste, die ich viel zu lange vor mir hergeschoben habe und mich super viele Emotionen und Grübeleien gekostet hat. Also traf ich sie endlich und machte Nägel mit Köpfen.
Und dann kam Sonntag.
Mein letzter freier Tag / Urlaubstag war angebrochen und ad hoc wusste ich, was da noch tief in mir schlummert(e). Es war mein Job. Mein Job, der mir einfach Energie raubte. Ich würde behaupten, dass wir alle mal keine Lust zum Arbeiten oder auf unseren Job haben. Ich verspürte jedoch ein richtig schweres Gefühl, als ich an ‚Morgen‘ / Montag dachte.
Erst letztens habe ich noch über meine berufliche Bestimmung nachgedacht und geschrieben, wo ich schon mehr in mich hätte gehen müssen. Eigentlich schon das erste Mal, als ich mich mit meinen Freundinnen im letzten Jahr im November unterhalten habe.
So wie ich es im Blog geschrieben habe: Ich mag meinen Job, sehr sogar. Ich komme aktuell mit den Menschen, den zwischenmenschlichen nicht harmonierenden Beziehungen und der Nörgelei nicht klar. Genauso mit den Entscheidungen, die getroffen werden, weil sie einfach null durchdacht sind. Ich habe die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen und bin auch kein super strategischer Mensch, aber manches sagt mir einfach mein gesunder Menschenverstand. Je länger ich hier bin, desto mehr zweifele ich daran, dass die anderen gesunden Menschenverstand haben. Ich gehe auf dieses Thema gern im nächsten Blogpost noch mal ein. Ich denke, dass hier auch ein bisschen was aufzuarbeiten habe.
Eins ist Fakt: Ich habe die Entscheidung getroffen mich nach etwas anderem umzusehen. Und seitdem fühle ich mich schon viel ‚freier‘ und auch besser. Mein Energielevel ist seitdem wieder gestiegen, was mich sehr glücklich macht. Ich fühle selber richtig den Unterschied und bin froh, dass ich mich mal mit mir auseinandergesetzt habe. Oft neigen viele Menschen davor, dass beiseite zu schieben und ich nehme mich da selbst nicht raus. In meinem letzten Job, dauerhaft im Home-Office (siehe früherer Blogpost) habe ich meine Gefühle auch zu lange ignoriert und einfach hingenommen. Was für andere manchmal Kleinigkeiten sind, sind für mich manchmal ‚große‘ Dinge, die mich dann unterbewusst belasten. Siehe oben, die Entscheidungen, die ich einfach zu lange nicht getroffen habe. Vielleicht habe ich nicht jeden Tag darüber nachgedacht, aber sehr häufig und so ist mir irgendwie ein innerer Druck entstanden. Es ist manchmal ganz verrückt, welche Entscheidungen mir super einfach und klar von der Hand gehen und welche mir Schwierigkeiten bereiten. Ich versteh mich da manchmal selbst nicht. Geht’s noch jemanden so?



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