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Einfach mal nichts tun.


Liebes Tagebuch,


da ich noch Resturlaub aus dem letzten Jahr hatte, hatte ich mir letztens einen Urlaubstag genommen und damit ein verlängertes Wochenende geschaffen.


Mein Plan war simpel. Ich werde einfach mal nichts tun, außer regenerieren, einfach mal sein und mich ausruhen. Vom Bett im Pyjama auf die Couch wechseln mit Kaffee und Cornflakes, zum Tagestart erst mal ein bisschen Fernsehen oder eine Serie schauen. Einfach ganz gemütlich in den Tag starten, so wie ich es mag, um dann zu schauen, worauf ich ggf. noch Lust habe. Wichtig sollte sein, einfach mal keine To Dos zu erledigen, sondern den Tag aktiv für mich zu nutzen. Sogenannte ME-TIME zelebrieren.


Was in der Theorie simpel klang, war in der Praxis für mich schwerer, als gedacht. Der Tagesstart verlief noch genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Das machte mich glücklich. Aber als es 13 Uhr gongte, meldete sich das erste Mal mein Kopf bzw. mein (schlechtes) Gewissen. ‚Sei nicht so faul.‘, ‚Du hast jetzt Zeit, also mach doch schon dies und das, anstatt es erst wieder auf die lange zu Bank zu schieben oder es im hektischen Alltag unter zu bringen.‘, ‚Du kannst doch den Tag nicht einfach so sinnlos vergeuden.‘, ‚Andere sind jeden Tag produktiv, während du hier rumlümmelst.‘ und dass waren nur einige meiner Gedanken.


Fällt es nur mir so schwer, wirklich mal einen Tag lang nichts zu tun bzw. nur aktiv Dinge für mich zu tun, die mir Spaß machen ohne To Do’s, ohne Wenn und Aber, ohne müssen, hätte, können? Oder geht’s anderen auch so?


Tief in mir drin weiß ich, dass es weder schlecht, noch schlimm ist, einfach mal nichts zu tun. Dann gucke ich eben einen Tag lang nur Serie, na und? Who cares? Und trotzdem meldet sich immer diese innere Stimme, als wäre das Leben ein Wettbewerb oder ein Wettlauf gegen die Zeit.


Klar ist Zeit kostbar. Und ja, ich habe nur dieses eine Leben. Dementsprechend sollte ich es sinnvoll nutzen. Aber bedeutet das automatisch, dass ich nicht auch für mich mal den Pausenknopf drücken kann? Manchmal glaube ich, dass ich dahingehend zu viel von Social Media verpestet bin. Oder auch einfach von meiner Vergangenheit, wie ich aufgewachsen bin. Da hat niemand einfach mal so in den Tag hinein gechillt, weil es auch einfach nicht möglich war. Meine Eltern waren selbstständig. Mein Vater verließ um 6 Uhr das Haus und kam abends 18 Uhr wieder heim. Meine Mutter, kümmerte sich um meinen Opa, weil meine Oma leider schon ‚Lebe wohl‘ gesagt hatte. Sie kümmerte sich um uns Kinder, sie arbeitete mit bei meinem Vater in der Firma und wuppte noch unseren ganzen Haushalt. Sie kochte, jeden Tag und teilweise manchmal auch 2 verschiedene Essen, damit jeder irgendwie glücklich war. Und am Wochenende oder im Urlaub stand natürlich Familienzeit und wir Kinder im Fokus. Bei meiner Mama habe ich aus heutiger Sicht das Gefühl, dass sie sich ihr halbes Leben aufgeopfert hat und jetzt, wo sie selbst Zeit hat, damit nicht so viel anfangen kann.


Vielleicht ist das mit dem Heute und auch mit mir und meinem Leben schwer vergleichbar. Ich bin eine ganz normale Angestellte, die eben nicht 24/7 auf Abruf steht. Ich habe keine Kinder, noch muss ich mich bisher um meine Eltern kümmern, weil sie einfach alles noch alleine können. Außer das ich manchmal selbst nicht viel vom Tag habe und manchmal nicht weiß, wo ich 10 Minuten Zeit jeden Tag hernehmen soll (siehe meinen Blog - 10 Minuten am Tag), aufgrund meiner Arbeit und dem Fahrtweg, bin ich beim Rest meines Lebens relativ frei und unabhängig. Und ganz ehrlich: Wenn ich mir vorstelle, das Leben meiner Mutter von früher zu führen, wüsste ich heute manchmal gar nicht, wie ich das alles wuppen sollte. Irgendwie würde es bestimmt gehen und dennoch gruselt mir die Vorstellung. Vielleicht ist es auch einfach das. Ich meine, würde ich ein anderes Leben führen, könnte ich vielleicht nicht einfach mal so ‚nichts‘ machen. Chapeau an alle die gefühlt dauerhaft im Einsatz sind, ob das eine Mama mit Kind ist, ein Selbstständiger oder Andere. Aber sollte ich mich deswegen schlecht fühlen? Weil ich es kann, während andere es nicht können? Ich habe mein Leben schließlich selbst aktiv so gewählt.


Mal unter uns gesagt, müsste ich mich für vieles gar nicht schlecht fühlen oder mich gar rechtfertigen. Es ist mein Leben und ich gestalte es so, wie es mir gefällt.  Aber woher kommen dann diese komischen Gedanken und Gefühle? Manchmal mag ich’s einfach nicht, diesen ganzen Gefühlswirrwarr.


Sind wir vielleicht auch schon genau so programmiert? Bloß nicht mal kurz still stehen bleiben oder eine Auszeit nehmen, sondern weiter, immer weiter. Hm….



Den Rest meines Tages verbrachte ich mit einem schönem Spaziergang in der Sonne an der frischen Luft. Das Wetter war herrlich, so dass ich mich anziehen und rausgehen musste. Vitamin D tanken ist immer gut. Ich kochte mir abends eine leckere Suppe und telefonierte noch mit meiner Schwägerin und ließ den Abend so ausklingen, wie ich ihn begonnen hatte, mit Serie und Pyjama.


Ich hab’s halbwegs gut geschafft meinen Plan zu verfolgen, würde mir aber manchmal einfach wünschen, weniger solcher Gedanken zu haben, um genau so einen Tag mehr zu genießen. Schließlich erzeugen diese Gedanken auch irgendwie einen gewissen Druck. Irgendwelchen Erwartungen gerecht werden zu müssen. Aber Erwartungen von wem? Meinen Eltern, mit denen ich nicht zusammenlebe? Meinen Freunden, die ja auch bloß alle immer mal nichts tun? Der Gesellschaft? Oder wem? Das wichtigste sollte doch sein mir und meinen eigenen Erwartungen gerecht zu werden!


Wie stehst du zu dem Thema? Nimmst du dir aktiv Auszeiten bzw. Zeit für dich?

 
 
 

1 Kommentar


S. K.
S. K.
vor 14 Stunden

Oh ich kenne das einfach nur zu gut. Einfach mal Nichts tun... das geht gar nicht. In dem Moment, wo ich ein Weilchen auf dem Sofa saß und gspielt oder gelesen habe, habe ich direkt auch das Gefühl es mit etwas Produktivem auszugleichen. Schrecklich, oder?

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