top of page

Mission Langeweile - Büroedition

Liebes Tagebuch,


fast 2 Jahre ist es schon wieder her, dass ich den Job gewechselt habe. Wahnsinn.


Rückblickend betrachtet, war das damals die beste Entscheidung. Ich wurde dort herzlich aufgenommen, ich fühlte mich schnell wohl und bekam meine eigene Stimme. Ich sammelte Vertrauen, fühlte mich gebraucht und hatte meist auch immer einen volleren Schreibtisch, statt einen leeren.


Jetzt gerade habe ich freie Spitzen. Die ersten paar Tage war’s ganz schön, einmal durchzuatmen und Luft zu holen, da im letzten halben / dreiviertel Jahr viel angefallen ist. Es gab Tage, da wusste ich nicht, was ich zuerst machen sollte. So konnte ich jetzt alles sacken lassen und verarbeiten und alle meine Dokumente einmal auf Aktualität prüfen und ggf. Änderungen vornehmen. Ich würde es mit Frühjahrsputz gleichsetzen, denn gleichzeitig flog alles an Unterlagen weg, was nicht mehr benötigt wird.


Und jetzt? Jetzt setzt mir mein leerer Schreibtisch langsam zu. Du erinnerst dich sicher an meinen Beitrag zu meiner Home-Office-Erfahrung oder? Ich habe das Gefühl, dass ich solch Phase nur in einer anderen Art und Weise gerade anfange zu durchleben und das einfach nur, weil ich genug Zeit und Raum habe, nachzudenken. Während ich vorher nichts in Frage stellte, gern zur Arbeit gefahren bin, ich immer motiviert war und in meinem inneren die Sonne schien (zumindest auf Arbeit), sitze ich gerade hier und sehe so langsam Wolken aufziehen. Es schleichen sich ganz langsam und leise Fragen in meinen Kopf rein, ob das jetzt wirklich der Job bis zum Rest meines Lebens ist. Bewirke ich hier wirklich etwas und treibe Dinge voran, oder drehe ich mich im Kreis? Bin ich hier gut aufgehoben und schöpfe mein Potenzial wirklich voll aus? Oder sollte ich nicht doch was Anderes machen? Und wenn ja – was? Wo liegen wirklich meine Stärken und was will ich? Kommen die Gedanken gerade nur auf, weil ich nicht vollständig ausgelastet bin oder wären mir diese Gedanken irgendwann später eh nochmal begegnet? Es sind Gedanken, die ich für mich gerade schwer einordnen kann, da mir dieser Job immer Spaß gemacht hat und sich das auch immer im Feedback meiner Mitmenschen wiederspiegelte. Warum zweifele ich also plötzlich? Liegt es wirklich an der Tatsache, dass ich Zeit habe mir Gedanken zu machen und ich mich in letzter Zeit generell einmal mehr hinterfrage? Oder schlummert da (vielleicht schon länger) etwas in meinem Unterbewusstsein, was jetzt nach ‚oben‘ treibt?


Übertrieben ausgedrückt: Aufgrund meiner Langeweile kam mir am Dienstag die Idee mich ehrenamtlich im Tierheim zu engagieren. Es ist ja nicht so, dass meine Tage ohnehin schon manchmal ziemlich voll sind. Denn nur weil nichts zu tun ist, kann ich nicht eben jeden Tag zeitiger gehen. Aber was soll’s, dachte ich mir. Also schrieb ich eine E-Mail an’s Tierheim. Die Antwort machte mich nicht unbedingt glücklich, da sie vorrangig vormittags ab 08:15 Uhr Unterstützung benötigen würden, was mit meiner Arbeitszeit nicht vereinbar ist. An der Stelle stellte ich mir die Frage, ob mich flexiblere Arbeitszeiten glücklich machen würden oder vielleicht wieder eine Arbeit im Schichtdienst? Ich habe früher gern in Schichten gearbeitet, wo die Spätschicht, auch wirklich eine Spätschicht gewesen ist und keine komische Mittelschicht von 11/12 bis 19/20 Uhr. Ich konnte manche Tage für mich besser einteilen / nutzen und auch so manchen Termin besser legen, als jetzt. Hm…


Da die Tendenz zur 2ten Jahreshälfte wieder so aussieht, dass sich der Schreibtisch füllt und dann eher wieder übervoll ist, frage ich mich, ob ich es jetzt einfach ausharre oder was ich mit der Situation und den Gedanken anfange. Des Weiteren frage ich mich, warum es gefühlt keine Balance über das gesamte Jahr gibt. Oftmals kenne ich nur die Extreme. Entweder es ist immer viel zu tun und manchmal auch zu viel, oder es ist so wenig los, dass die Zeit kaum umgeht. Wenn man bedenkt, dass es vielleicht auch anderen Menschen gerade wie mir ergeht, ist es traurig zu wissen, wie viel Kapazität und Potenzial gerade verschenkt wird, wo andere Firmen ganz dringend Unterstützung bräuchten. Und wie viel Geld da gerade auch für nichts tun zum Fenster rausgeworfen wird. Ich will mich diesbezüglich nicht beschweren, aber ja, auch solche Perspektiven / Blickwinkel befinden sich in meinem Kopf.





Der eine oder andere, der das liest, denkt mit Sicherheit gerade, dass ich einfach nach mehr Aufgaben fragen soll oder das es vielleicht auch Zeit wäre mehr Verantwortung zu tragen. Ich kann nur bedingt bei Aufgaben unterstützen, noch dazu erfrage ich immer, wo ich helfen kann.  Und mehr Verantwortung geht schlecht, da ich die einzige in dieser Position und mit dieser Stellung bin. Ich glaube, der Trigger ist, dass es mich gerade einfach null befriedigt und ich deswegen mit keinem guten Gefühl nach Hause fahre. Es raubt mir Energie, statt meine Akkus aufzuladen. Nachrichten, Gespräche, Situationen, Begegnungen werden nicht einfach ad acta gelegt, sondern 100 Mal durchgekaut, obwohl ich es gar nicht möchte. Ich komm nach Hause und mir fehlt Auftrieb. Ich bin K.O., obwohl ich nicht wirklich was gemacht habe. Es klingt völlig unlogisch, aber so ist es. Was tue ich also jetzt? Werde ich aktiv, ohne so richtig zu wissen, was ich möchte und suche? Warte ich, bis sich die Lage wieder verändert, in der Hoffnung, dass all diese Gedanken wieder verschwinden? Oder bleibe ich erst mal in diesem Schwebezustand getreu dem Motto: Es kommt alles, wie es muss (ich muss nur geduldig bleiben)!Vielleicht wäre das auch der perfekte Zeitpunkt einfach mal zu ‚lernen‘, dass es ok ist, an manchen Tagen einfach mal ‚nichts‘ zu tun. Ich bin jemand, dem es schwer fällt einen Tag (auch am We) nichts zu tun. Eigentlich, so dachte ich, ist es schon besser geworden. Jetzt zweifele ich gerade daran.


Im Juni habe ich 14 Tage Urlaub. Theoretisch bräuchte ich den Urlaub nicht unbedingt, praktisch, habe ich die Hoffnung, mit etwas Abstand und anderen Aktivitäten danach ‚schlauer‘ zu sein und zu wissen, wie es weitergeht. Was würdest du an meiner Stelle tun?

 
 
 

1 Kommentar


Barbara Kubik
Barbara Kubik
07. Juni 2025

Hallo liebe Verfasserin, hab mit Vergnügen Deine Gedanken miterlebt und das war ein Vergnügen.

Der Dualismus schmunzelt Dir bisweilen zwinkernd zu und Geduld ...ja das ist ne never ending story... tststs. Hoffe auf mehr Gedanken von Dir uns sag schon mal Danke

Gefällt mir

Tagebuchstraße 705

01991 Fantasie

+49 (0) 151 6xx xx xx6

Newsletter abonnieren & nichts mehr verpassen

Vielen Dank für das Abonnement!

bottom of page