Wanderabenteuer Zugspitze - Vorbereitung ist alles, außer man läuft los!
- Unknown Diarie

- 12. Aug. 2025
- 9 Min. Lesezeit
(Teil 1)
Liebes Tagebuch,
in den letzten Wochen war es hier verdächtig still. Zeit der Stille ein Ende zu setzen und die Erlebnisse der letzten Wochen mit dir zu teilen.
Nach meinem letzten Post stand mein neues Abenteuer schon in den Startlöchern. Das Gipfelsturm-Abenteuer auf die Zugspitze.
JA, mein Ziel war es auf die Zugspitze zu wandern.
Aber lass mich mal ganz von vorn beginnen. Vor langer Zeit postete ein Arbeitskollege bei Instagram Bilder von der Zugspitze. Ich habe keine Ahnung warum, aber just in diesem Moment war mir klar, dass ich irgendwann auf die Zugspitze wandern wollte. Das ist jetzt ca. 1,5 Jahre her.
Während ich sonst immer einmal im Jahr den Brocken hoch wanderte und gefühlt schon jeden kleinen Stein auswendig kannte, war das für mich die gelungene Abwechslung. Als ich im April feststellte, dass mein Urlaub im Juni näher rückt und ich noch nicht wirklich einen Plan hatte, wie ich meinen Urlaub verbringen wollte, kam mir der Post meines Arbeitskollegen wieder in den Sinn. Also begann ich zu recherchieren.
Es gab unterschiedliche Wege mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und auch die Option unterwegs in einer Hütte zu übernachten, um die Wanderung ggf. aufzuteilen. Da meine körperliche Fitness in den letzten Wochen / Monaten etwas zu wünschen übrig ließ und ich nicht für diesen einen Trip eine volle Klettermontur kaufen wollte, entschied ich mich vernünftig zu sein und die längste und dafür einfachste Strecke, die Reintalroute, der Zugspitze zu wählen. Die längste Strecke betrug 21 km. Quasi die Strecke eines Halbmarathons. Mein Gedanke war: Wenn ich die Strecke eines Halbmarathons laufen kann, schaffe ich es erst recht die km auf die Zugspitze zu wandern. Da ich den Plan verfolgte nur hoch zu wandern, um mit der Bahn entspannt wieder runter zu fahren, hatte die Strecke noch den Vorteil, dass die Bahn genau dort ankam, wo ich das Auto abstellen würde.
Ich wollte noch ein weiteres Mal vernünftig sein und dachte darüber nach unterwegs in einer Hütte zu übernachten. Insgesamt gab es 3 Hütten und ich entschied mich die Hütte am nächsten der Zugspitze zu nehmen. Schon beim Buchen der Hütte merkte ich wieder mal, dass ich manchmal echt naiv bin. Während ich dachte, dass mit Sicherheit noch viele Plätze in der Hütte verfügbar waren, wurde ich eines Besseren belehrt, da ich lediglich noch einen von 5 Plätzen in einer der Hütten ergattern konnte. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Menschen im Sommer auf die Zugspitze wandern, geschweige denn in einer Hütte übernachten. Nun ja …
Bevor alle Plätze weg waren, musste ich also schnell handeln und buchte eine Übernachtung von Dienstag zu Mittwoch. Ich überflog in meinen Augen kurz alles Wichtige und registrierte, dass ich einen Schlafsack mitnehmen muss. Damit war die Planung für mich schon fast abgeschlossen. Ich beschäftigte mich nicht weiter mit der Route oder anderen Dingen, die vielleicht für so eine Wanderung wichtig wären. Ich schrieb mir lediglich den Startpunkt und den Namen der Hütte auf. Danach überlegte ich mir noch, dass es vielleicht vorteilhaft wäre am Montag schon in die Richtung aufzubrechen und mir in Nähe der Zugspitze ein Hotel zu suchen, um am Dienstag ausgeruht starten zu können. Gedacht, getan. Ich buchte mir ein weiteres Zimmer im Allgäu und genau damit war meine Reiseplanung auch abgeschlossen.
Als ich Freunden von meinem Vorhaben erzählte, erklärten mich viele für verrückt. Super oft kam die Frage auf, ob ich das alleine machen würde. Immer wenn ich mit ‚JA‘ antwortete, kam direkt die Frage hinterher, ob das wenigstens eine geführte Wanderung mit Guide war. Und was soll ich sagen – Nein, natürlich nicht. Das ist nicht mein Stil. :D
Eine Frage die auch häufig gestellt wurde, war, ob ich irgendeine App z. B. Komoot habe, wo mir dann der Weg angezeigt wird. Auch hier war meine Antwort ‚nein‘. Ich ging davon aus, dass der Weg von meinem Startpunkt aus schon ausgeschildert sein wird, so wie beim Brocken. Was Planung, Organisation/Vorbereitung und Recherche anbelangt, bin ich manchmal ziemlich blauäugig und meist immer auf den letzten Drücker unterwegs. Man könnte auch sagen, dass ich eine kleine Chaotin bin. Da wird’s mit mir tatsächlich nie langweilig. Im Laufe des Textes wirst du es auch erkennen.
Meine beste Freundin fragte mich, ob ich Wanderschuhe habe bzw. mir extra welche für den Trip zulege. Die Antwort kommt jetzt sicherlich nicht überraschend: Nein. Natürlich würde ich meine geliebten Turnschuhe tragen, da ich gefühlt fast alles mit diesen Dingern mache. Meine beste Freundin schmunzelte, da sie nichts Anderes erwartet hat. Sie kennt mich eben doch zu gut.
Die Zeit verstrich und schwupps war Juni ohne, dass ich mir auch nur noch mal im Ansatz Gedanken über irgendwas gemacht habe. Wie gut, dass ich das Wochenende vor meinem Trip nichts geplant hatte. Freitagabend begann ich dann doch mal so langsam mir Gedanken zu machen, was ich alles brauchen könnte und vor allen Dingen, was ich snackmäßig mitnehmen wollte, damit ich während meiner Wanderung immer bei Kräften blieb. Ich erstellte eine kleine DM- und eine kleine Einkaufsliste für Samstag. Da ich möglichst wenig Proviant mitnehmen und trotzdem für alles gerüstet sein wollte, entschied ich mich dafür Äpfel, kleine Snacktomaten, Knoppers, Nüsse, Fruchtriegel und Traubenzucker zu kaufen. Noch dazu konnte man das alles auch bei entsprechenden Temperaturen im Rucksack lagern ohne Angst haben zu müssen, dass die Lebensmittel verderben. Für den richtigen Hunger nahm ich Food-Drinks mit, die eine Mahlzeit ersetzen sollten. Anders wusste ich mir hier schlecht zu helfen.
Nachdem ich am Samstag ausgeschlafen hatte, hatte ich noch ein anderes ‚Problem‘. Irgendeine Allergie kickte und das so richtig. Meine Augen waren krass dick und juckten, meine Nase lief und ich hatte Kratzen im Hals. Oder war es doch eine anbahnende Erkältung? Das konnte ich ja so gar nicht gebrauchen. Somit fuhr ich nicht nur zu Edeka und DM, sondern auch noch in die Apotheke für ein Allergiemittel. Ansonsten lud ich am Samstagabend noch meine Powerbank auf und damit war auch für diesen Tag meine Planung abgeschlossen.
Am Sonntag merkte ich schon, dass ich so langsam aufgeregt wurde. Im Laufe des Nachmittages rief mich irgendeine komische Nummer an. Der Mann, den ich am Telefon hatte, hieß Marco. Er war der Inhaber vom Hotel im Allgäu, wo ich am Montag übernachten sollte. Er schrieb mir über Check 24 eine Nachricht, die ich natürlich noch nicht gelesen hatte. So viel zu meiner Urlaubsvorbereitung. :D Da sich das Hotel auf einem Berg befand und man eben nicht einfach so mit dem Auto hochfahren konnte, erklärte er mir, wo ich stattdessen parken sollte. 15 Minuten vor meiner Ankunft sollte ich ihn anrufen, damit er einen Shuttle schicken kann. Wir plauderten noch ein bisschen privat und verabschiedeten uns nach 10 Minuten. Danach fing ich an, aufgrund meiner leichten Nervosität, meine Tasche zu packen und nochmal zu überprüfen, ob ich nicht vielleicht auch noch eine Nachricht von meiner Hütte, in der ich bei meiner Wanderung schlafen wollte, bekommen habe. Dabei fiel mir auf, dass nur sogenannten Hüttenschlafsäcke erlaubt sind, die aus Seide oder reiner Baumwolle bestehen. Und natürlich bestand mein Schlafsack weder aus Seide noch aus Baumwolle, sondern aus Polyester. Düdüm…
Hier guckte ich schon das 1. Mal doof aus der Wäsche und wusste mir natürlich in dem Moment nicht zu helfen. Es war Sonntag. Bei der Hütte erreichte ich niemanden und es hatte alles zu. Selbst mit Amazon Prime wäre der Schlafsack erst am Montag 22 Uhr abends oder eben dienstags gekommen. Na das fing ja gut an. Mir blieb also nichts Anderes übrig, als vorerst meinen Schlafsack mitzunehmen und am Montag unterwegs in der Hütte anzurufen in der Hoffnung mein Problem lösen zu können. Wenn alle Stricke reißen, muss ich Montag noch irgendwo unterwegs so einen Schlafsack kaufen, obwohl ich nicht extra für diesen einen Trip noch einen neuen Schlafsack kaufen wollte.
Da es wettertechnisch bisher viel regnete, war es in meinen Augen ratsam ein Poncho einzustecken. Und was soll ich dir sagen…anstatt am Samstag vorm Einkaufen noch mal zu checken, ob ich noch eins habe, verließ ich mich darauf, dass ich mit Sicherheit noch eins hatte. Und natürlich hatte ich keins mehr. Und wieder düdüm….Ich bin wie immer TOP vorbereitet – #NICHT!Wie gut das ich später in einer meiner Taschen doch noch eins gefunden habe. Meine Überlegung war 2 Rucksäcke zu packen. Einen der ausschließlich für meine Wanderung gedacht war und den anderen für die anderen Übernachtungen, denn ich blieb auch nach meiner Wanderung noch eine weitere Nacht in Bayern.
Ich nahm meinen großen Nike Rucksack mit breiten Trägern, den man auch wie eine Art Reisetasche benutzen konnte und packte einen Nike Turnbeutel für die Wanderung. Hier merkte ich schon, dass alles was ich für die Wanderung mitnehmen wollte, kaum in den Turnbeteule passte. Meine 2 großen Wasserflaschen nahmen schon ordentlich Platz weg. Uff…Ich schrieb es oben bereits, aber bei mir trifft das Sprichwort zu, dass ich immer wie ein Frisör losfahre bzw. in dem Fall vorbereitet war. :D Ich ließ alles erst einmal so mit den Gedanken: ‚Ach das passt schon‘. Also bereitete ich für Montag für die Fahrt was zu essen vor und kramte meine Kühltasche aus dem Schrank vor.
Als ich zum Abschluss die Powerbank einstecken wollte, stellte ich fest, dass ich noch ein anderes Kabel als Verbindung für mein Handy benötigte. Da ich ein neues Handy hatte, bereits ausschließlich an beiden Enden mit USB-C Anschluss, jedoch eine Powerbank, die nur einen USB-Anschluss hatte, gestaltete sich das schwierig. Alle Kabel, die ich gefunden hatte, passten nicht. Ok, dann eben nicht. Seufz
Weitere ‚Komplikationen‘ gab’s dann für den Sonntag ein Glück nicht mehr.
Am Montag ging die aufregende Reise dann los. Gegen 5 Uhr klingelte der Wecker. Mein Plan war es um 6 Uhr loszufahren und ich verfehlte das Ziel leicht und fuhr mit einer halben Stunde Verspätung los. Ich kam erstaunlich gut durch, so dass ich um 13:30 Uhr mein Ziel bereits erreicht hatte. Bevor ich zum Hotel fuhr, habe ich mich bereits in der Breitachklamm warm gewandert. Es war wunderschön dort. Danach wollte ich eigentlich noch zum Freibergsee fahren und musste leider feststellen, dass ich dort mit dem Auto nicht direkt ranfahren kann. Lt. einem Passanten hätte ich noch 30 Minuten laufen müssen. Da ich auch noch etwas Zeit am See verbringen wollte und es mittlerweile doch schon später Nachmittag war, fuhr ich weiter zu einer Nebelhochbahn. Auch hier war ich einfach schon zu spät dran. Ich hätte noch hochfahren können, hätte 20 Minuten später aber wieder runter düsen müssen, weil da bereits die letzte Bahn fuhr. You see – i don’t have a plan. :D

Also fuhr ich doch schon Richtung Hotel. Auf dem Weg dorthin fiel mir mit Erschrecken wieder ein, dass ich doch noch in der Hütte anrufen wollte, zwecks meines Schlafsacks. Oh Gott…fast hätte ich es vergessen. Das mit dem Schlafsack war zum Glück kein Problem. Da ich direkt von zu Hause kam und vorher in keiner anderen Hütte übernachtete, durfte ich meinen eigenen nehmen. Zieht man von Hütte zu Hütte benötigt man den anderen Schlafsack, um eine Übertragung von Bettwanzen o. ä. zu vermeiden. Diese nisten sich besonders gern in den Schlafsäcken mit Polyester ein. Ansonsten hätte ich auch vor Ort einen zum Kauf erwerben können für 25 Euro. Puh, eine Sorge weniger.
Als ich irgendwann auf meinem Zimmer angekommen, gegessen und geduscht hatte, wollte ich mir noch mal meine Route für den morgigen Tag ansehen. Ich machte Youtube an und begann Videos zum Wandern auf die Zugspitze zu gucken. Auf einmal stieg Panik in mir hoch, als ich sah, dass ich bis zur Hütte ca. 9h Zeit einplanen sollte. Ich rechnete. 08:30 Uhr Frühstück (zeitiger gab’s in meiner Unterkunft leider kein Frühstück), 09:30 Uhr runter zum Auto, Fahrtzeit zum Startpunkt ca. 1,5h – 11 Uhr Start + 9 Stunden …Ich würde niemals rechtzeitig bei meiner Hütte ankommen. Das war ein Schlag in die Magengrube und hier ärgerte ich mich über mich selbst. Es half alles nichts, eine Lösung musste her.
In Windeseile begann ich die anderen Routen anzusehen und zu recherchieren, welche davon noch für Einsteiger gedacht war. Ich fand eine Alternative, die jedoch lt. Angaben schon etwas ‚schwieriger‘ sein sollte. Die Route betrug ‚nur‘ noch 16 Km bis zur Spitze und es war eine Wanderzeit von 6h angegeben. Gut, selbst mit höherem Schwierigkeitsgrad und ausreichend Pausen, wäre das realistisch, zumal ich auch nicht alles an einem Stück hochmusste. Ok….Hier war der Startpunkt in Österreich, ca. eine Stunde Fahrzeit vom Hotel entfernt. Um in Österreich zu fahren brauchte ich jetzt nur noch eine Vignette. Wie gut, dass man in der heutigen Zeit alles online organisieren kann, so dass das kein Problem darstellte. Mit der Bahn kam ich auch wieder an meinem Auto an (kleiner Spoiler: Zumindest dachte ich das), so dass ich langsam aber sicher anfing mich zu beruhigen und dann auch aufhörte irgendwelche Videos zu schauen oder Informationen zu lesen, um mich nicht weiter verrückt zu machen. Ja, an der Stelle hatte ich schon den ersten kleinen Nervenzusammenbruch. Tja – selbstgemachtes Leid. Ich glaube, ich muss dir nicht erklären, dass ich eher unruhig geschlafen habe oder?
Dienstag. Da war der große Tag. Ich fühlte mich müde und unausgeruht, „perfekte“ Voraussetzungen für eine Wanderung. Ich saß am Frühstückstisch und schlürfte in aller Ruhe Kaffee, bevor ich mich stärkte. Ich war bereits 09:20 Uhr abfahrbereit an meinem Auto. Das war zeitiger als ich gedacht hätte und motivierte mich, dass heute alles nach Plan verlaufen wird.
Und ob der Plan aufgegangen ist und ich es zur Hütte geschafft habe, erzähle ich dir in Teil 2.



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