Wanderabenteuer Zugspitze - Vorbereitung ist alles, außer man läuft los!
- Unknown Diarie

- 24. Aug. 2025
- 9 Min. Lesezeit
(Teil 2)
Liebes Tagebuch,
here we go. Die Geschichte zu meinem Wanderabenteuer Richtung Zugspitze geht weiter.
Ich war bereits um 09:20 Uhr an meinem Auto angekommen, stieg ein, gab die Zieladresse ins Navi ein und sollte ca. eine Stunde später am Zielort, der Ehrwalder Almbahn, sein.
Ich spürte, wie wohl oder übel die Nervosität vom Vorabend zurückkehrte, gepaart mit Vorfreude. Ich drehte die Musik auf und blickte immer noch voller Zuversicht meiner Wanderung entgegen. Auf einmal riss mich die Stimme des Navi’s aus meiner Blase in der ich gedanklich unterwegs war, indem es mir mitteilte, dass sich meine Ankunft um ca. 10 Minuten verzögern würde, ich mich aber immer noch auf der schnellsten Route befinde. ‚Die 10 Minuten‘, dachte ich da noch, ohne zu ahnen, wie viel später ich tatsächlich am Zielort sein würde.
Anfangs rollte der Verkehr noch, obwohl ich lt. Navi bereits im roten, stockenden Bereich angekommen bin. Ich war guter Dinge, dass sich der Stau oder die Verzögerung möglicherweise wieder in Luft aufgelöst haben, bis ich tatsächlich stockte. Während am Anfang noch alles ganz langsam tuckerte, stand ich irgendwann still. Vor mir sah ich nur eine lange Autoschlange, konnte jedoch nicht erkennen, was genau das Problem war. Nach gefühlten 10 Minuten (vielleicht waren es tatsächlich nur 5) bewegten sich die Autos wieder, allerdings kam ich nicht mal 1Km vorwärts, sondern lediglich ein paar Meter. Und wieder stand alles still. Nachdem die ersten 20 Minuten um waren und ich nach wie vor noch nicht das Ende, geschweige denn das Problem des Stau’s / stockenden Verkehrs sehen konnte, wurde ich langsam unruhig. Es vergingen weitere 20 Minuten und immer noch kein Ende in Sicht. Als noch einmal 20 Minuten vorbei waren, überkam mich ein kleiner Anflug von Panik, da ich immer noch nicht abschätzen konnte, wie lange ich noch bis zum Zielort brauchen würde. Ich konnte nicht vor, nicht zurück, geschweige denn irgendwo abfahren. Die Zeit auf dem Navi verlängerte sich stetig und das obwohl ich lt. Navi nur noch knappe 5Km fahren musste.
Nach weiteren 10 Minuten brach meine Emotion aus mir heraus und ich fing zu weinen an, weil ich mein Abenteuer in dem Moment scheitern sah, obwohl es noch nicht mal begonnen hatte. Ich war in dem Moment innerlich so nervös, da ich auch wander- und wegtechnisch nicht abschätzen konnte, was mich erwartet und wie lange ich tatsächlich brauchen würde. Tja, es half alles nichts, ich konnte jetzt nur warten. Ich trocknete meine Tränen, atmete tief durch und besann mich darauf, dass ich schon ganz andere Situationen gemeistert habe und mich so ein kleiner Stau gewiss nicht von meinem Ziel abbringen wird. Ich griff zum Handy und nahm eine Sprachnotiz auf, um irgendwie mit irgendjemanden meine Emotion zu teilen und es einfach einmal auszusprechen, wie sehr mich das ankotzte und verunsicherte. Es musste einfach raus.
Irgendwann näherte ich mich einer Kurve. Als ich die Kurve umfahren bin, sah ich endlich das Ende der Autoschlange und auch das Problem. Die Straße wurde erneuert, so dass die Fahrbahn auf der einen Seite gesperrt war. Als ich es endlich durch die Baustelle geschafft habe, war ich keine 5 Minuten später am Ziel mit einer Verspätung von 1 Stunde und 40 Minuten. Puuuuh…
Ich kaufte schnell ein Ticket für das Auto und wollte direkt losstürzen, da ich im Vorfeld bereits 2 unterschiedliche Rucksäcke gepackt hatte. Erinnerst du dich?
Zum Wandern wollte ich meinen Turnbeutel von Nike nehmen. Ich schrieb bereits, dass der Turnbeutel ganz schön voll war. Schon beim Aufsetzen spürte ich, dass das mit dem Turnbeutel keine gute Idee war. Es würde nicht lange dauern, da würden mir die Seile in den Schultern reiben bzw. einschneiden. Ja, das hätte ich tatsächlich vorher bedenken können, habe ich aber nicht. Ich hatte keine andere Wahl und musste den anderen Rucksack nehmen, da ich keine weitere Alternative dabei hatte.
Da ich in meinen Augen eh schon viel Zeit verloren habe, begann ich hektisch umzupacken. Alles aus meinem Rucksack flog kreuz und quer durch mein Auto, damit der Inhalt meines Turnbeutels dort Platz finden konnte. Ich stopfte alles rein, da ich einfach nur noch loswollte. In meiner Eile hätte ich fast noch meinen Schlafsack vergessen. Ein Glück ist es mir noch aufgefallen. Aber wohin mit dem Schlafsack? Der passte natürlich nicht (mehr) in meinen Rucksack. Ok…Mir blieb vorerst nichts anderes übrig, als ihn in die Hand zu nehmen.
Ich suchte an der Ehrwalder Almbahn noch eine Toilette auf und war dann endlich startklar. Mittlerweile war es schon fast 11:30 Uhr. Ich schaute mich um und entdeckte erste Schilder und Wanderer schräg hinter dem Eingang der Almbahn und ging dorthin. Und siehe daaaaa – die erste Station meiner Wanderroute war ausgeschildert.
Frohen Mutes stapfte ich endlich los, bei perfektem Wetter. Die Sonne lachte und der Himmel war blau mit wenigen Wolken. Der Weg begann direkt mit einem ziemlichen Anstieg, was ich so nicht erwartet hätte. Vor mir wanderte ein Pärchen und irgendwie neige ich immer dazu mich an anderen zu orientieren oder mitzuhalten. Das Problem habe ich auch immer beim Firmenlauf. Das hatte zur Folge, dass ich nach den ersten 10 Minuten schon pumpte wie ein Maikäfer. Ich hielt kurz an, drehte mich um, um festzustellen, dass ich noch nicht weit gekommen und der Parkplatz noch in Sichtweite war. Da ich schon völlig außer Atem war, spielte ich mit dem Gedanken doch lieber wieder zurück zu gehen, um entspannt mit der Seilbahn hochzufahren. An der Stelle meldete sich meine innere Stimme, auch Kampfgeist genannt. Ich drehte mich also wieder zurück, blickte der Steigung mit Respekt entgegen und versuchte die Menschen um mich herum auszublenden, um langsam in meinem Tempo weiterzulaufen.
Schnell wurde mir warm und ich begann zu schwitzen. Ich hatte ein langarmiges dünnes Sportsweatshirt an, darunter ein T-Shirt und darunter noch ein Sporttop. Ich zog mein langarmiges Sweatshirt aus, packte es in den Rucksack und trank erst mal einen großen Schluck. Und weiter ging’s. Gegen 12/12:30 Uhr hatte ich die 1. Station erreicht. Keine Ahnung wie viele Km das gewesen sind, da ich mich anhand der Schilder immer eher auf die Zeitangaben bis zur Hütte konzentrierte. Keine Ahnung woher ich diese Vorstellung nahm, aber irgendwie dachte ich, dass ich mehr im Wald und damit im Schatten unterwegs sein würde. Pustekuchen. Die Sonne drückte und 3 Mal darfst du raten, was ich auch nicht dabei hatte – Richtig, Sonnencreme! Schön, dass ich gegen Regen, Wind und Mücken ausgestattet war, aber nicht für das, was am nächsten lag – Sonne.
Ich kam an einem kleinen Wasserspender vorbei, machte erneut kurz Pause, zog mein T-Shirt aus und legte es ins Wasser, um es nass zu machen. Danach legte ich es mir in den Nacken. Ich trank noch mal und füllte meine Wasserflasche gleich noch mal auf, da ich Sorge hatte, dass meine 2 Flaschen mit jeweils 1 Liter nicht reichen würde. Nachdem ich kurz vor meinem 2ten Etappenziel war, wurde auch die Steigung sanfter. So langsam kam ich rein. Rein in den richtigen Wandervibe, rein ins richtige Tempo, rein in die Motivation und rein, alles um mich herum zu genießen bzw. wahrzunehmen. Ich kam an schlafenden Pferden, einer kleinen Kapelle und grasgrünen Wiesen vorbei bis hin zu Kühen und einer Almhütte. Hier machte ich die erste ‚richtige‘ Pause, die nicht nur 5 Minuten ging. Ich setzte mich auf einen Stein, aß einen Apfel und beobachtete die Kühe. Es war jetzt ca. 13.30 Uhr.
Ich stellte fest, dass es wieder Zeit für meine Pille – Endovelle (darüber habe ich bereits in einem früherem Blogbeitrag berichtet) - ist. Düdüm… Beim hektischen Umpacken, habe ich vergessen die Pille mitzunehmen. ‚Meine Güte, was ist nur nicht richtig mit mir?‘ Da ich sie nicht das 1. Mal vergessen habe, kann ich an der Stelle sagen, dass da nichts passiert, wenn ich sie mal einen Tag nicht nehme. So konnte ich mich ruhigen Gewissens zurücklehnen, noch ein bisschen das Wetter und den Ausblick ins Tal und die Berge genießen, bis ich mich wieder auf den Weg machte.
Während bisher der Weg breit und ordentlich zum Gehen war, ähnlich wie eine (Schotter)Straße, zeigte die Beschilderung dieses Mal in Richtung eines Trampelpfades. Ich war skeptisch, ob das wirklich der richtige Weg sein sollte. Als mir allerdings 2 Wanderinnen entgegenkamen, verflog meine Skepsis. Weiter ging’s.
Tja und dann kam eine ganze Zeit lang irgendwie nichts, außer immer mehr grün, immer mehr kleine Steine auf dem Trampelpfad und leichte Zweifel, ob ich wirklich richtig unterwegs bin, da weit und breit niemand zu sehen war. Auch weitere Schilder zur Orientierung blieben ab der letzten Station aus. Da es auch keine weitere Weggabelung gab, musste ich mich darauf verlassen richtig zu sein. Also lief und lief und lief ich, irgendwann mit dem Fokus auf den Weg gerichtet, ohne meine Umgebung wahrzunehmen. Mal gab’s mehr Steigung, mal weniger. Es war Zeit für eine weitere kleine Pause. Prompt kam ich vom Autopilot wieder im Hier und Jetzt an. Und auch wenn der Weg immer ‚komischer‘ und aus grün immer mehr Geröll wurde: Was meine Augen dann erblickten war einfach der WAHNSINN.

Um mich herum erstreckte sich eine Berglandschaft, die ich so noch nie gesehen habe. Von grün bis weiß war alles dabei. Ich sah Schluchten, Steine, kleine Felsen, Moos, Kalkablagerungen, Schnee unterschiedliche Höhen und Tiefen und war einfach beeindruckt. Weit und breit gab’s nur mich, eine Brise Wind und die Berge. Es war wie in einem Film – Atemberaubend! Ich versuchte die Kulisse via Fotos einzufangen, so wie ich davor schon ein paar Mal versucht hatte den Weg und die Steigung einzufangen. Auch wenn ich super schöne Fotos geschossen habe, kann man nur im Ansatz erahnen, wie es wirklich live und in Farbe ausgesehen haben muss, da sowas wie Steigungen oder allgemein Höhen und Tiefen nicht wirklich gut zum Ausdruck kommen. Hier fand ich es super schade, dass niemand all das durch meine Augen sehen wird.
Ich entschied mich einen Felsen hochzukrabbeln und mich dort niederzulassen, um den Anblick aufzusaugen und die klare Bergluft einzuatmen. Es hätte in dem Moment nicht schöner sein können. Ich fühlte mich voller Energie, ich fühlte mich stark, ich fühlte mich irgendwie unerschütterlich, aber vor allen Dingen fühlte ich mich FREI. Frei von Erwartungen, frei von der Arbeit, frei von Druck oder negativer Energie, frei von Problemen, einfach frei. Ich hätte dort noch stundenlang liegen können, um die wenigen wehenden Wolken über den Bergspitzen zu beobachten. Und dennoch musste ich irgendwann weitergehen, um meine Hütte rechtzeitig zu erreichen, da die Uhr mittlerweile schon 15:30 Uhr schrieb. Da es mittlerweile etwas zügig war und mein T-Shirt im Nacken bereits fast vollständig getrocknet war, entschied ich, das Shirt einmal überzuziehen, um wenigstens am Dekolleté und an den Schultern etwas mehr bedeckt zu sein.
Dieses Mal ging ich aktiv weiter, bedeutet, dass ich meine Umgebung bewusst wahrnahm. Immer mehr Geröll, immer mehr kleine Kletteraktionen warteten auf mich, so dass ich den Weg nicht so easy empfand und streckenweise schon auch gefährlich. Manchmal war der Weg so schmal und die Schlucht neben mir so tief, dass das nichts für schwache Nerven war. Vielleicht ist das übertrieben, aber es gab Momente, wo ich kurz überlegt habe, meinem Vorgesetzten zu schreiben, dass er sich schon mal nach einer neuen Mitarbeiterin umsehen kann. An den Stellen, wo ich schon etwas klettern musste, um weiter zu kommen, nervte mich mein Schlafsack, immer noch in den Händen haltend, so richtig. Was ich für mich auch total unterschätzt hatte, war der Rucksack der die ganze Zeit auf meinen Schultern lastete. Ich trug bestimmt weitere 8Kg mit mir rum. Mir taten die Schultern weh, so dass ich diesen Rucksack eigentlich nur noch loswerden wollte. Und dennoch entschädigte meine Kulisse alles.
Um mich dennoch mehr bei Laune zu halten, steckte ich mir meine AirPods in die Ohren. Während ich am Anfang noch wahllos Musik hörte, stellte ich irgendwann ein Lied in Dauerschleife ein. Der Beat passte in meinen Augen total zu meinen Gefühlen und meiner Umgebung. Dazu kam im Text immer noch der Satz ‚I get this feeling‘ vor – es war einfach perfekt. Immer wenn ich heute dieses Lied höre, verbinde ich das mit dem Ausblick und meiner damals gefühlten Emotion. Ich sehe mich dann wieder in den Bergen und mein Körper wird ad hoc mit Energie durchströmt. Ein tolles Gefühl und eine tolle Erinnerung.
Der Weg wurde irgendwann so ‚schlimm‘, dass ich nicht mehr wirklich einen richtigen Weg erkennen konnte. In dem Moment kamen mir endlich mal 3 Menschen entgegen, die mir versicherten, dass ich richtig bin und dass ich mich an roten Punkten oder Österreichflaggen auf größeren Steinen orientieren soll, da das jetzt meine Wegweiser waren. Ich lief und lief und lief (und kletterte immer mal wieder) bis ich an einem Friedhof oder eine Gedenkstätte ankam. Hier machte ich meine letzte Pause. Als ich mich intensiver umblickte, erspähten meine Augen in weiter Ferne etwas, was einer Hütte glich. ‚OMG, da ist sie. Ich hab’s schon fast geschafft‘, dachte ich. Und ganz klar, gab mir das noch mal richtig Aufschwung für die bevorstehende Steigung, die ich ebenso erspähen konnte.
Gegen 17 / 17:15 Uhr kam ich tatsächlich endlich an meiner Hütte an. Ich war zwar erschöpft, geschwitzt und durch, aber ich war glücklich. Ich habe die erste Etappe geschafft und mein Körper wurde mit Glücksgefühlen durchströmt. Meine Gedanken waren, dass es für den Folgetag nicht mehr unbedingt ‚schwerer / schlimmer‘ werden kann, da ich den meisten Weg bereits zurückgelegt hatte.
Ob ich mit diesen Gedanken richtig lag, erzähle ich dir dann in Part Nummer 3. Lass dich überraschen.



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