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Wenn Social Media motivieren will, aber an der Realität scheitert

Liebes Tagebuch,


seit 14 Tagen war es wieder etwas stiller, um mich. Auch wenn das Wetter bereits besser ist und ich in der Frühlings- bzw. Sommerzeit immer total aufblühe, suche ich an manchen Tagen irgendwie immer noch meine Motivation. So, wie ich Anfang des Jahres irgendwie noch zwischen den Jahren festhing, hänge ich jetzt irgendwie auch noch irgendwo fest.


Ich habe in letzter Zeit viel durch Social Media gescrollt. Ich hatte so eine Phase vor ca. 6 Jahren schon mal und stellte irgendwann fest, wie ‚giftig‘ es für mich ist. Und um ehrlich zu sein, glaube ich, ist es jetzt nicht besser. Entweder versprechen dir alle die große Karriere, wo ich mir schon oft die Frage gestellt habe, wer von denen, die angefangen haben auch wirklich Karriere gemacht haben. Andere teilen ihre große Motivation und wie sportlich sie jetzt sind / werden, teilen ihren Alltag und wie oft sie verreisen, welche krassen Partys sie feiern usw.. Vermutlich klingt gerade der letzte Satz neidisch und derweil gönne ich jedem sein Glück.


Auch wenn immer alle sagen: Lebe deinen Traum oder du kannst alles schaffen, wenn du es nur willst, stelle ich mir die Frage, ob das wirklich so ist oder das nicht einfach nur noch mehr die Realität verdreht. Klar, alle wollen dasselbe und zwar andere motivieren. Und dennoch fühlt es sich oftmals für mich nicht nach Motivation an. Alle wollen mehr Realität auf Instagram zeigen und dennoch empfinde ich bei den wenigsten Profilen, dass es ihnen gut gelingt.


Manche weinen und nehmen es auf, um es mit ihrer Community zu teilen. Ist das normal? Und führt das dazu, dass Instagram realitätsnäher wird? Wenn ich weine, egal aus welchem Grund, würde ich es absolut ‚weird‘ finden, in dem Moment dran zu denken, dass für meine Community aufzunehmen. Viele finden das stark und vielleicht ist das für viele auch tatsächlich der ‚Beweis‘, dass man sich ganz realitätsnah auf Instagram zeigen kann. Ich sehe dahinter irgendwie noch mehr Kalkül bzw. den ‚Job‘. Kein normaler Mensch ohne Instagram würde auch nur im Ansatz auf die Idee kommen, das Handy oder irgendeine Kamera in die Hand zu nehmen und sich dabei zu filmen. Auch wenn manchmal viele sagen, dass sie heute keinen guten Tag haben und das völlig ok ist, lächeln sie dennoch bei irgendwelchen Aktivitäten später in die Kamera. Man sieht niemanden den halben Tag auf der Couch ‚verschimmeln‘ mit geilem Essen im Pyjama oder Oversized-Pullover und ungekämmten Haaren oder ich folge immer den falschen Profilen, was ich mir bei 4000 gefolgten Profilen nicht vorstellen kann.


Wenn ich Leute auf Instagram sehe, bei denen die Allergie kickt, sehen die in meinen Augen immer noch super aus. Bei mir kickt gerade ebenso die Allergie und glaube mir, meine Augen sind mega geschwollen und schwillen kaum ab und ich klinge als hätte ich den Jahrhundertschnupfen und das trotz Allergiemittel. Mir läuft die Nase und ich traue mich kaum vor die Tür, weil sofort meine Augen tränen und es sich einfach mega unangenehm anfühlt. Noch dazu fühle ich mich so auch draußen unter anderen Menschen nicht sehr wohl. Der eine oder andere würde jetzt behaupten, dass mein Selbstwertgefühl nicht so intakt ist. Aber verwechseln wir Selbstwertgefühl nicht manchmal irgendwie auch mit unserem eigenem Anspruch an uns selbst und was uns und unsere Werte auch irgendwie ausmacht? Natürlich ist es schön, wenn einem nichts peinlich oder unangenehm ist.  Aber auch hier – Den Challenges, welche

sich manche aussetzen, um sich mehr Leichtigkeit zu erarbeiten – Ist das nicht irgendwie verrückt und irgendwie auch übertrieben? Es wird immer Dinge geben, die einem peinlich und unangenehm sind. Es wird immer Momente im Leben geben, für die man sich schämt. Es wird immer Momente im Leben geben, wo es Überwindung kostet seine Komfortzone zu verlassen, wo man an seine Grenzen stößt oder auf die man nicht vorbereitet ist. Dem einem wird es leichter fallen und dem anderem schwerer. Das heißt Leben bzw. ist das absolut menschlich in meinen Augen und wir alle eben auch verschieden. Gerade solche Züge an uns machen uns doch auch für andere liebenswert oder nicht?


Viele teilen ihre Trauer, um ihren Mann und wie sie von heute auf morgen alleinerziehend sind oder wie sie sich nach 10 Jahren trennen. Wenn mir das passieren würde, wäre ich erst mal out of order. Da würde ich erst mal untertauchen, jeden Tag weinen und vor mich hinvegetieren. Ich schalte dann in den Überlebensmodus. Und noch dazu macht es mir manchmal echt Angst. Angst, dass nichts für die Ewigkeit ist und es Liebe bis zum Rest des Lebens vielleicht doch nicht (mehr) gibt. Und bei manchen kommt es für die Follower dann auch super plötzlich, weil man natürlich von den Problemen nichts mitbekommen hat. Klar, es gibt auch die, die ihre Probleme teilen und mitteilen, dass Beziehungen Arbeit bedeuten. Und ja, dass stimmt ja wirklich und das ist auch eher realitätsnah. Und dennoch hinterlässt es bei mir komische Gefühle bei wildfremden Menschen zu sehen oder zu lesen, welche Probleme sie haben. Immer wieder tauchen auch Geburten auf meinem Bildschirm auf und da ist tatsächlich meine persönliche Grenze erreicht. Ich meine, es kann jeder teilen, was er möchte und ich bin auch nicht gezwungen es mir anzusehen, absolut richtig. Nur bei manchen sehe ich Dinge, die ich gar nicht sehen will und bevor ich es wegklicken kann, habe ich gefühlt schon die Hälfte gesehen, weil’s eben im Video auch direkt losgeht, anstatt vorher eine Ankündigung zu machen, was man gleich sehen wird.


Auf der einen Seite vermitteln dir alle, dass du gut so bist, wie du bist, egal wie du aussiehst und wo du herkommst. Aber auf der anderen Seite? Nehmen wir mal die Shapewear von Creamy fabrics. Selbst dünne und schlanke Frauen preisen diesen Body an mit den Worten, dass auch sie Kinder bekommen und der Bauch eben nicht mehr 100%ig straff sitzt. Wenn die Leute sich für Shapewear entscheiden, ist das absolut ok. Auch das entscheidet jeder selber. Und klar, wenn die Leute nun mal Kooperationen solcher Art haben, müssen Sie die Dinge anpreisen, aber in meinen Augen wird hier das Ziel ‚Jeder ist gut so, wie er ist, verfehlt‘. Und auch die ungeschminkten Gesichter, wo aber trotzdem Sommersprossen mit Henna ins Gesicht gemalt werden. Wo irgendwelche Selbstbräunungstropfen in die Creme gemischt werden und einen leichten Bräunungsteint auslösen. Die Leute zeigen das und sind ehrlich und preisen ihre Produkte an. Aber wie echt ist das jetzt? Viele, die nur durchscrollen, schauen einfach in strahlende, wache Gesichter und fragen sich, warum sie selbst nicht so aussehen. Und wie lange sind die Leute vielleicht wirklich schon wach, bevor sie das erste Mal die Kamera anmachen? Und noch dazu: Wenn ich alle Produkte kaufen würde, die mir schon über den Weg gelaufen sind und mir Wunder versprochen wurden, , würde mein Gehalt deutlich schmälern lassen. Auch diese ganzen Skincare Pflegeprodukte – gibt es denn niemanden mehr, der sich abends nur Florena oder Niveacreme ins Gesicht schmiert und das war’s? Oder vielleicht gar nichts nimmt?


Irgendwie verschwimmen mir in Social Media die Realität mit dem echtem Leben eines Normalos, wie mir und einer ‚Vorstellung‘. Der Job mit dem Alltag. Die gezeigten Gefühle mit den wirklich wahren Gefühlen. Geht es nur so mir so? Oder fühlt sich manchmal noch jemand unmotiviert, wenn er durch Social Media scrollt? Sehe ich das übertrieben? Dinge, die ich früher (und auch noch heute) mit meinen engsten Freunden austausche, werden heutzutage in Social Media ausgetauscht. Wenn bei einigen dann lese, dass sie nicht wirklich eine Freundin haben, überrascht es mich manchmal nicht. Ich meine heutzutage sind ja fast alle über Social Media vernetzt und da alles in Social Media angesprochen wird, werden das dann eben die ‚digitalen Freundinnen‘. In einigen Dingen vielleicht nah, aber eben doch fern. Man muss sich eigentlich heutzutage nicht mehr wirklich eine Freundin suchen, auch wenn das jetzt vielleicht etwas überspitzt klingt. In meinen Augen sollte jeder eine tolle Freunde haben und es gibt auch wenig schöneres als Deeptalk und ein bisschen Tagräumen und philosophieren mit Freunden.


Um nicht abzuschweifen und beim Verschwimmen der Realität auf Social Media zu bleiben: Natürlich habe ich mir auch schon mal die Frage gestellt, wie die Leute es denn anders machen könnten bzw. sollten, damit es sich für mich mehr echt anfühlen würde. Ganz ehrlich: Ich habe keine Antwort darauf. Ich weiß es nicht und wüsste selbst nicht, wie ich es besser machen sollte. Die Wahrheit liegt bei vielen vermutlich irgendwo in der Mitte von dem, was sie zeigen und uns, wie wir wirklich sind.

 
 
 

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