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WhatsApp - mehr Fluch als Segen – oder doch nicht?



Liebes Tagebuch,


die Überschrift sagt vermutlich alles.


WhatsApp - Wir alle bzw. viele nutzen es. Täglich. Wir schreiben Nachrichten, zeichnen Sprachnotizen auf, versenden Fotos, GIF’s, Sticker, Videos, erstellen Status oder reagieren / kommentieren diese, usw. Alles was die App hergibt, wird genutzt. Oftmals empfinde ich es auch richtig praktisch, z. B. beim Finden eines Termins oder allgemein, um zu besprechen, was für eine Aktivität geplant werden soll. Man erstellt einfach eine Gruppe, stellt Termine und Aktivitäten via Abstimmung in den Chat und schon kann jeder seine Stimme für alle sichtbar setzen ohne mit jedem einzeln und über 3 Ecken kommunizieren zu müssen.

Ich will jemanden nur kurz sagen, dass es schön ist, dass es ihn gibt? Hier sind GIF’s meine Freunde. Ich möchte jemanden zum Lachen bringen? Schnell wird ein Selfie mit einer Grimasse gemacht und verschickt. Als ich vor ein paar Jahren noch einmal umgezogen bin und meine Freunde ‚verlassen‘ habe, war ich super dankbar, dass es WhatsApp bereits gibt, da es für mich leichter ist, mit jedem in Kontakt zu bleiben. ABER … So schön und einfach, wie es auch ist, bin ich manchmal auch einfach genervt / müde und wünsche mir die Zeit vor WhatsApp zurück. Theoretisch könnte ich gleich komplett Social Media nehmen, aber ich beziehe mich gerade bewusst auf WhatsApp, da ich zum Thema Instagram / TikTok und Co. vielleicht irgendwann noch einmal gesonderte Gedanken teilen möchte. Bevor ich gleich dazu komme, warum ich diesbezüglich manchmal die guten alten Zeiten vermisse, möchte ich auf jeden Fall noch folgendes anmerken: Mir ist bewusst, dass ich selbst steuern kann, inwieweit ich WhatsApp nutze, in welchem Zeitraum und in welchem Maß. Mir ist bewusst, dass ich selbst steuern kann, wie meine Antworten ausfallen, ob ich antworte und vor allen Dingen wann. Mir ist bewusst, dass es vielleicht auch von meinem Umfeld und meinen Freunden abhängig ist, ob viel über WhatsApp kommuniziert wird oder eben nicht. Menschen sind verschieden. Der eine hat ein größeres Mitteilungsbedürfnis und der andere teilt nur die wichtigen Daten und Fakten. Ebenso die Zahl der Bekannten, Verwandten und Freunde spielt eine Rolle. Wir können dieses Spiel endlos fortführen, aber ich denke der Grundgedanke kommt zum Ausdruck. Auch wenn ich vieles selbst in der Hand habe, ist es für mich hin und wieder ein Fluch. Gefühlt überlegen sich immer alle gleichzeitig mich zu kontaktieren, so dass ich mich manchmal schon von der Zahl der ungelesenen Nachrichten abgeschreckt fühle. Wenn die Gruppenchats einmal richtig in Fahrt gekommen sind, kann es schon mal passieren, dass man nach knapp 1,5h in denen man nicht auf sein Handy geguckt hat, 35 Nachrichten oder mehr auf dem Display sieht. Und wenn es Sprachnotizen hagelt, kann ich für mich nur noch schwerer priorisieren, welche Nachricht ich zuerst höre und beantworte, da ich nicht abschätzen kann, ob es jetzt was Dringendes ist oder nicht.

Sprachnotizen sind auch so eine ‚tolle‘ Erfindung. Ich nutze sie selbst auch, keine Frage und ich bin leider auch eine von der Sorte, die sich da nicht wirklich kurzfassen kann. An der Stelle – Sorry an meine Freunde, aber danke, dass ihr euch dennoch immer wieder die Zeit nehmt. Auch wenn ich selbst nicht besser bin: Wenn ich sehe, dass so eine Sprachnotiz 10 Minuten oder länger geht, verlässt mich oftmals schon meine Motivation, diese abzuhören und darauf zu antworten. Vielleicht liegt es daran, dass ich gar nicht weiß, wann ich das Abhören soll. Zwischen Tür und Angel ist immer schlecht. Ich bin dann nicht aufmerksam genug, merke mir nur die Hälfte und habe oftmals nicht den Raum, so darauf einzugehen, wie ich möchte. Und dann gibt's auch Tage an denen ich schon so overloaded von der Arbeit oder anderen Dingen bin… Puh… .


Fakt ist: Ich muss mir aktiv Zeit dafür nehmen. Meine Freunde und Familie sind mir das auch definitiv wert und es soll sich auch keiner, aufgrund dieser Zeilen zurückhalten. Ich will mich nicht beschweren und dennoch vermisse ich manchmal die Zeit ohne WhatsApp. Kurze Kommunikation und verbindliche Absprachen ohne viel Schi Schi. Statt ‚immer erreichbar sein‘ einfach bewusst(er) zu kommunizieren, auf den Punkt. Wie oft sage, schreibe und lese ich mittlerweile, dass wir über genaue Details noch mal schreiben können, einfach, weil es die Möglichkeit gibt. ‚Früher‘ gab’s das nicht, also musste ich mich direkt verbindlich mit meinem Gegenüber abstimmen. Anstatt manchmal einfach 5 Minuten zu telefonieren, werden über den Tag verteilt etliche Nachrichten gesendet / ausgetauscht. Anstatt einfach News, Informationen, Fotos usw. beim nächsten Besuch zu zeigen und sich auszutauschen, teilt man die Hälfte schon im Vorfeld. Ich möchte gar nicht wissen, wie viel Zeit all das in Anspruch nimmt. Zeit, die mir manchmal gefühlt fehlt. Schließlich sind nicht immer sofort alle Nachrichten binnen von 5 Minuten beantwortet.


Wie schon geschrieben – Ich kann es selbst steuern, in dem ich einfach mein Handy ausmache oder die Nachrichten ignoriere und irgendwann antworte. Aber geht es um ein Treffen in naher Zukunft, wäre es schlecht erst zu antworten, wenn der Termin schon ran ist. Das wäre auch meinem Gegenüber nicht fair. D. h. hier bin ich schon mal gezwungen in kürzerer Zeit zu antworten. Hat jemand ein Problem, wäre ich in meinen Augen auch keine gute Freundin, wenn ich nicht zeitnah reagieren würde. Und auch wenn völlig belanglose Nachrichten eintrudeln, worauf es nicht unbedingt eine Antwort bedarf, so sendet doch jemand die Nachricht nicht umsonst. Auch wenn mir jemand schreibt, dass es nicht eilig ist und er oder sie es nur loswerden wollte, habe ich dennoch den Anspruch es anzuhören und in 95% der Fälle auch zu reagieren. Sitzt mir jemand gegenüber und möchte seine Gedanken nur loswerden, schweige ich schließlich auch nicht, sondern sage was dazu.

Vielleicht ist auch nicht direkt WhatsApp das Problem. Vielleicht bin ich es selbst, in dem ich einen gewissen Anspruch verfolge. Vielleicht ist es auch eine gewisse Erwartungshaltung der anderen, obwohl ich nicht mal weiß, ob andere da diesbezüglich eine gewisse Erwartungshaltung mir gegenüber. haben. Hm...

Wobei meine Mama sendet einfach nach ein paar Stunden ??? ohne zu wissen, ob ich ihre Nachricht schon gelesen habe oder nicht. Also, ja doch, ich glaube der eine oder andere legt schon eine gewisse Erwartungshaltung an den Tag bezüglich WhatsApp. Ich schreibe manchmal meinem gegenüber, dass ich später antworte oder entschuldige mich, wenn meine Antwort länger gedauert hat. Wenn ich das hier schreibe, denke ich mir erst recht, wie bescheuert es ist. Aber so ist es.

Aber noch mal zu den ???. Sendet mir die jemand oder fragt mich, warum ich nicht antworte und das schon nach kurzer Zeit, ist das für mich ein absoluter Killer. Das nervt mich wirklich und baut einen gewissen Druck auf. Furchtbar. Schließlich besteht mein Leben nicht nur aus WhatsApp.


Und als ob all das nicht reicht, kann man sich manchmal über WhatsApp auch ganz wunderbar missverstehen, eben, weil man nicht spricht. Man liest irgendwas ‚zwischen‘ den Zeilen, interpretiert irgendwas in eine Nachricht hinein, was es einfach nicht gibt. Chatte ich hin und her, ist es mir auch schon passiert, dass ich eine Nachricht überlesen und den Kontext dann nicht mehr verstanden habe. Jemand nutzt weniger oder keine Emojis? Oder jemand reagiert auf eine ‚negative‘ Nachricht nicht zeitnah oder gar nicht? Dann gehöre ich zu der Sorte, die schon aufpassen muss, sich keine unnützen Gedanken zu machen, was ich wohl falsch gemacht oder verbrochen haben könnte. Ja, ich weiß, dass ist genauso dämlich, aber so bin ich eben und ich halte das für menschlich. 


Ich bin mir sicher, dass auch meine Tagesform eine Rolle spielt, inwieweit ich WhatsApp jetzt an einem Tag verfluche und mir über gewisse Nachrichten mehr den Kopf zermartere oder eben nicht. Nicht jeder Tag ist gleich und ich keine Maschine.

Auch wenn ich mich gerade mehr auf das Negative von WhatsApp fokussiert habe, freue ich mich auch super oft über WhatsApp und die einfache spielerische Kommunikation mit meinen Freunden. So viele Nachteile, wie es in meinen Augen hat, so viele Vorteile gibt es auch.  Der Austausch über die Entfernung zwischen mir und meinen Freunden bleibt ein absolut wichtiger Aspekt. Schon alleine deswegen würde ich nicht mehr auf WhatsApp verzichten wollen. Noch dazu überwiegen trotz der ganzen negativen Aspekte immer noch die Vorteile für mich persönlich. Ich muss einfach selbst gegensteuern und mir WhatsApp freie Zeit nehmen. Wenn ein Abend nicht reicht, muss es eben ein ganzer Tag sein oder auch zwei. Und vielleicht ist das auch noch ein Punkt, wo ich an meinem Mindset arbeiten kann. WhatsApp ist manchmal ein Fluch und dennoch Segen zugleich. Oder vielleicht ist es auch eine kleine Hass-Liebe. Ich kann nicht mit und nicht ohne, möchte aber auch nicht ohne.

 
 
 

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